Wie sinnvoll ist die Zungenbändchen-OP?
Klappt das Stillen nicht, steht schnell die Vermutung „verkürztes Zungenbändchen“ im Raum. Ein kurzer Eingriff soll das Problem beseitigen. Aber funktioniert das wirklich?
Beliebte Maßnahme bei Stillproblemen
Stillen hat viele Vorteile für das Neugeborene – ist aber manchmal gar nicht so einfach. Wenn es nicht auf Anhieb klappt, kann es auch zum Stressfaktor werden. Nicht umsonst gibt es inzwischen viele Stillberaterinnen, die dann beim Stillen unterstützen.
Eine einfache Erklärung für Stillprobleme bieten „Zungenbändchenzentren“. Ihnen zufolge liegt das Problem häufig darin, dass beim Kind das Zungenbändchen verkürzt sei. Das soll dann das Saugen erschweren und Stillprobleme verursachen. Mit einem einfachen Eingriff kann das verkürzte Zungenbändchen durchtrennt werden. Das Konzept ist so erfolgreich, dass sich diese Eingriffe vervielfacht haben – und das, obwohl die Krankenkassen die Operation meist nicht bezahlen.
Die Sicht der Wissenschaft
Wissenschaftler*innen wollten nun herauszufinden, ob der Eingriff wirklich nötig ist und einen Nutzen hat. Sie fanden fünf eher kleinere Studien mittlerer Qualität mit insgesamt 302 Mutter-Kind-Paaren. Das Ergebnis: Leichte Verbesserungen ergaben sich für die Mütter. Die Schmerzen in den Brustwarzen wurden kurzfristig weniger. Positive Effekte für das Kind konnten nicht nachgewiesen werden, weder auf die Gewichtszunahme, noch auf das Schreiverhalten oder die Langzeit-Entwicklung. Auch die verkürzte Stilldauer betroffener Mutter-Kind-Paare veränderte sich nicht.
Außerdem hat die Operation auch Nachteile: In 1–9% kommt es bei dem Eingriff zu Komplikationen wie Infektionen, Nachblutungen oder die Stillprobleme verschlechtern sich.
Mittels einer ausführlichen Stillberatung konnten dagegen drei Viertel aller von Brustschmerzen geplagten Mütter ihre Probleme dauerhaft lösen.
Kinderärzt*innen raten zur Vorsicht
Deswegen hat auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen Stellung zu den Zungenbändchen-Eingriffen bezogen. Er rät Eltern davon ab, sich vorschnell für den teuren Eingriff zu entscheiden. Zuerst, so der Verband, sollte eine ausgebildete Kinderärzt*in das Kind untersuchen und eine Stillberatung in Anspruch genommen werden. Erst, wenn nicht-operative Möglichkeiten ausgeschöpft sind und eine Kinderärzt*in die Diagnose definitiv bestätigt hat, sollte eine OP in Betracht kommen.
Quellen:
Kinder- und Jugendärzte im Netz
Cochrane
UptoDate
Rossato (2025): The lingual frenulum, ankyloglossia, and breastfeeding. Archivos argentinos de pediatria, 123(1)
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